Laufen oder Fahren?

Diese Frage mussten sich wohl am 10. September 2000 beim 27. Marathonlauf in Berlin 33 Läufer und Läuferinnen von über 27.000 Teilnehmern aus 85 Ländern gefragt haben. Denn diese kürzten ihre Laufstrecke eigenmächtig ab indem sie einen Teil der Strecke mit der U-Bahn zurücklegten.  Das Ganze wäre nicht aufgeflogen, wenn da nicht die verfluchte Technik gewesen wäre.

Der 27. Marathonlauf rückte nicht nur wegen den prominenten Läufern wie der ehemalige Außenminister Joschka Fischer (3:54:29 Stunden; Platz 8919) und der Popsänger Joey Kelly (3:55:35 Stunden; Platz 9116) sondern auch wegen einem kleinem Plastikteil, das so groß wie ein ehemaliges fünf Mark Stück war, in das Interesse von Nichtsportlern.  Dieses überführte nämlich die „faulen“ Läufer.  Das Teil war an den Schnürbändern der Laufschuhe befestigt und beinhaltete einen Chip. Dieser sendete alle fünf Kilometer  sobald er einen Kontrollpunkt erreichte ein Signal in Form eines Pieptons. Dieser Messpunkt befand sich unter einer Matte. Über die mussten alle Marathoniken laufen und das Signal wird mit dem darunterliegenden Kabel weitergeleitet. Deswegen kommt es zu einem Piep-Konzert an den ersten Kontrollpunkten, weil da das Feld noch eng beisammen ist.

Beim Auswerten der Daten fiel auf, dass nicht alle Kontrollpunkte passiert wurden. So scherten die Schummler kurz nach Kilometer 25 aus dem Hauptfeld aus und benutzen die nächste U-Bahn um zwischen Kilometer 38 und 40 wieder bei den anderen Läufern einzuscheren. Im Ziel nahmen sie ihre Urkunden entgegen. Allerdings wurden die U-Bahn-Fahrer nachträglich disqualifiziert.

Auch ein mexikanischer Politiker ließ einen Teil der Strecke aus. Dies war allerdings beim 34. Berlin-Marathon am 30. September 2007 als Roberto Madrazo mit einer Zeit von 2:40 Stunden als erster in seiner Altersklasse durch das Ziel lief. Er wurde von der Liste gestrichen und in seinem Heimatland führte dieses Betrügen zu einem Sturm der Entrüstung. Der Politiker gab in einer Erklärung bekannt, dass er auf abraten seiner Ärzte nie vor hatte die ganze Strecke zu laufen. Madrazo habe sich nur zum Ziel begeben, um die Medaille für die Teilnahme und seine Sachen zu holen.

sjf

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